Wenn mein Feuer erlischt – Boreout oder Burnout – Mütter im Dilemma

oder wenn ich durch das Feuer ausbrenne. So umschreibt sich dieses Phänomen am bildhaftesten. Nicht nur in der Arbeitswelt finden sich immer mehr Menschen mit Boreout, auch Mütter sind davon betroffen. Burnout oder Überforderung bei Müttern ist ein bekanntes und auch ernst genommenes Phänomen. Hingegen ist ein Boreout seltener Anlass zur Besorgnis oder wird schlichtweg ausgeblendet. Familie gründen Kinder bekommen, Hausfrau sein verändert das Leben auf einen Schlag. Windeln wechseln, Hausarbeiten, Putzen bestimmen nun den Alltag und die Agenda bestimmt das Baby. Der Druck ist hoch, die Nächte sind kurz, das Baby schreit – das sorgt für Stress und kann schnell überfordern. Nun ist ja aber das Phänomen eines Boreouts nicht das überfordert sein, sondern das gelangweilt sein bei der neuen Aufgabe. Langweilige, immer wiederkehrende Arbeiten, allein sein, kein Austausch, soziale Isolation.

Der soziale Druck – Mütter im Dilemma

«Du hast es aber gut, darfst zuhause für Deine Familie da sein, musst dich nicht mehr auf der Arbeit abrackern.» Wer würde denn zugeben, dass Muttersein langweilig ist. Und genau dies löst diesen Stress aus, es ist die qualitative Langweile. Besonders Frauen, die vorher gewohnt waren viel Verantwortung zu tragen, Frauen, die in Führungspositionen wirkten und verändern konnten. Abwechslung und Anerkennung war für sie spürbar und dafür brachten sie gerne Leistung. Nun kommen viele Mütter in eine Sinnkrise und geraten unter Druck. Sie fangen an an sich selbst zu zweifeln.

Psychotherapeut Wolfgang Merkle weist dem Boreout dieselben Symptome zu, die auch bei einem Burnout beobachtet werden. Es sind dies Niedergeschlagenheit, Depressionen, Antriebs- und Schlaflosigkeit, aber auch Tinnitus, Infektionsanfälligkeit, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Es zeigen sich häufig aggressives und übersteigertes Kontrollverhalten gegenüber sich selbst, Kollegen oder innerhalb der Familie. Egal, wie sehr ich mein Kind liebe, irgendwann frage ich mich: „war’s das nun?“ insbesondere, wenn der geistige Ausgleich fehlt.

Unterforderung in der Arbeitswelt

wo das Boreout häufig vorkommt, kann man beobachten, dass Betroffene Methoden entwickeln, um vorzutäuschen, dass sie beschäftigt sind. Sie drehen Extraschlaufen, erledigen unnütze Dinge oder sogar Privates während der Arbeitszeit und dies natürlich im Verborgenen.

Schein-Aktivität schleicht sich auch im Haushalt ein.

Wenn die Kinder noch klein sind ist die Unterforderung noch nicht so drastisch. Es ist ja alles neu, man wird gebraucht, die körperliche Nähe, jede Bewegung und Mucks unserer kleinen Wonneproppen saugen wir ein wie frische Frühlingsluft.

Nun werden aber die Kinder älter, selbständiger und gehen in die Schule oder ganz weg von zuhause und es bleibt viel mehr Zeit, die gefüllt werden muss. Nicht selten fängt Mutter dann an, zweimal in der Woche die Fenster zu putzen, um beschäftigt zu wirken. Die Stimmung fährt Berg und Tal zwischen Fürsorge, Freude, Gereiztheit und Frustration. Natürlich findet der Partner den Weg nach Hause auch nicht immer auf Anhieb. Ist eh verständlich, seine Kollegen sind viel interessanter als der Rapport beim Abendessen mit einer gestressten Mutter und quengelndem Baby.  Das daraus resultierende Gefühl fehlender Anerkennung führt wieder zu Reibereien. Lustlos und frustriert etabliert sich eine Sinnkrise.

Ich fühl mich leer und uninteressant.

In dieser Situation fällt es Betroffenen oft schwer sich mitzuteilen und sie geraten dabei in eine Depression, aus der sie oft im Alleingang nicht herausfinden können. Sie suchen beim Arzt um Hilfe nach und bekommen meist Medikamente. Ob das der richtige Ansatz ist mag ich nach vielen Einzelgesprächen bezweifeln, weil diese vermeintliche Hilfe nicht bei der Ursache ansetzt und eine Eskalation nur aufschiebt.

Wie schafft man den Weg aus dem Burnout oder eben dem Boreout?

Die gute Nachricht – es geht vorbei, es braucht aber Zeit und Ehrlichkeit zu sich selbst. Es ist ein Prozess dem Selbstvertrauen durch Veränderung folgt und einem neuen Lebensgefühl Platz macht. Als erstes sollte keine Mutter Schuldgefühle haben, wenn Sie sich mit Haushalt und Kindererziehung unterfordert fühlt und sich dabei geistig langweilt. Es gibt keine guten oder schlechten Mütter. Umso mehr darf sie dieses Gefühlschaos erst mal annehmen. Sie soll anerkennen, dass sie sich durchaus gelangweilt fühlt und auch so fühlen darf, dass es keine Krankheit ist, sondern ein wichtiger Schritt sich selbst wieder näher zu kommen. Also eigentlich eine riesige Chance für persönliches Wachstum. Gerade deswegen ist es wichtig, wie die Betroffenen diese Krise meistern, um daraus gestärkt hervor zugehen. Ein professionelles Coaching kann diesen Weg oft drastisch abkürzen und Schaden klein halten.

Ist Boreout nicht eine Modeerscheinung?

Statistiken dazu finden sich kaum, weil das Boreout nicht als Krankheit diagnostiziert werden kann. Oft stellt sich erst in der Burnout-Therapie heraus, dass Langeweile, psychische Unterforderung die eigentliche Ursache ist. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein, weil einfach Langeweile nicht in unser Gesellschaftsbild passt. Wer sich langweilt ist einfach nur faul. Und Als Mutter erst recht, Mütter müssen doch glücklich sein, sind ausgefüllt und gehen in Ihrer Liebe auf, so stellt sich die Rolle in unserer Gesellschaft doch dar und wird zelebriert überall in den Medien, Facebook etc. Bilder mit lachenden Kindern im Arm gehalten vom Partner, so schön, so muss es doch sein. Das ist ein Bild dem jede Frau doch nacheifert. Nur, wenn dem nicht so ist? Das gibt den Müttern doch einfach ein Gefühl nicht richtig zu sein.

Bin ich gefährdet?

In der Praxis zeigt es sich, dass Frauen, die vor dem Mutter werden, hochqualifiziert, gut ausgebildet anspruchsvolle Jobs hatten eher an sich zweifeln, wenn sie „nur“ noch Mutter und Hausfrau sind. Im Berufsleben trugen sie Verantwortung, brachten Leistung und bekamen dafür Anerkennung, konnten etwas bewegen, entwickeln, führen und standen im Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen. Aber auch Frauen in praktischen, kreativen Berufen empfinden die neue Rolle eher frustrierend.

Fürsorge und keiner merkt’s.

Nicht dass eine Mutter keine Verantwortung tragen würde, ganz und gar nicht, aber der Wirkungsradius ist kleiner und eingeschränkter als in der Arbeitswelt. Die Agenda geben nun Kinder mit Windeln wechseln, Füttern und Hausarbeit vor. Was, wenn mein Lebenskonzept nicht dazu passt? Geistiger Austausch beschränkt sich auf ein Gebiet, das nicht vom Erfolg belohnt wird. Nicht selten sind die Partner selbst sehr engagiert in Ihrem Beruf und nehmen sich nicht genügend Zeit für die Anliegen der Partnerin. Die Kommunikation wird immer einseitiger.

Ebenso betroffen sind Frauen mit perfektionistischen Anlagen. Ein Kind ist schwer zu kontrollieren, es bestimmt, wann es müde ist oder hungrig. Kontrolle bringt hier nichts, das Verhalten eines Kindes ist nicht planbar.

Wie kann ich verhindern, dass ich selbst in eine Leere falle?

Ich denke schon vor der Schwangerschaft lohnt es sich klar zu machen, was die Mutterschaft mit sich bringt. Nur zu oft steht die Freude eine Familie zu haben, leuchtende Kinderaugen zu sehen, an oberster Stelle und leicht blendet Frau die Realität aus. Passt die Rolle als Mutter zu mir? Zu diskutieren wäre sicher auch ein Teilzeitmodell. Möglicherweise kann ein Home Office oder ein Studium eine Alternative sein um den Wissensdurst zu stillen. Gemeinsame Projekte mit dem Partner, die über den Rahmen einer Familie hinaus gehen, können eine Beziehung sehr bereichern.

Der Ideen-Korb steht für dich bereit – greif zu!

Die Anregungen haben sich in der Praxis bewährt und meine Klientinnen auf eigene Ideen gebracht. Denn darum geht es ja, oft sieht man vor lauter Bäume den Wald nicht mehr, mir ging damals so. Manchmal braucht es nur einen kleinen Stups, um die kreative Ecke im Kopf anzuknipsen und schon ist „Frau“ schon mittendrin in ihrer eigenen Visionen. Eintragen und Tipps bekommen?

Die erhältst dann die Tipps kostenlos zugeschickt. Und wenn Du magst schick mir Deine eigenen Anregungen. Ich bin sicher unsere Leser freuen sich über einen prall gefüllten Ideen-Korb.

 

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Findest Du dich in einer ähnlichen Situation gefangen? Oder hast Du bereits einen Weg aus diesem Dilemma gefunden?

Was mich antreibt über «Mütter-Stress zwischen Haushalt und Beruf» zu schreiben erfährst Du im nächsten Blog-Artikel.

Bis bald

Heidi Weichhart

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